Nachdem ich hier vor kurzem bereits über mein neues Firmen-Notebook kurz berichtet habe, wollte ich nach nun fast 4 Wochen doch etwas detailierter meine Erfahrungen mit dem Thinkpad z60m niederschreiben.
Allgemeines
Das von mit verwendete Gerät ist ein IBM/Lenovo Thinkpad z60m (2529) mit Pentium M 760 (Dothan) 2,0 GHz auf Centrino-Basis, 1GB RAM, 100GB SATA-Platte, ATI Mobility Radeon X600 mit 128MB eigenem Speicher, WLAN (a/b/g) und dem ganzen anderen Krempel, der halt bei einem Notebook heutzutage so dabei ist (Sound, Bluetooth, DVD-Brenner, Speicherkartenleser, ...).
Verarbeitung
Das Gehäuse ist rundum solide verarbeitet und entgegen Erfahrungen mit anderen elektronischen Geräten sehr verwindungssteif: Es quietscht oder knarzt absolut nichts.
Tastatur
Die Tastatur ist eine der ersten, die nach dem Verkauf der PC-Sparte von IBM an Lenovo diese beschissenen Windows-Tasten verpasst bekommen hat.
Damit muss man leider leben. Ansonsten sind die Tasten aber schön groß und im Vergleich zum JVC-Notebook macht damit auch das Arbeiten auf der Konsole Spaß.
Touchpad/Trackpoint
Das Thinkpad z60m wird mit Touchpad und dem genialen Trackpoint geliefert - ich liebe diesen Knubbel :-).
Das Touchpad funktioniert so wie es soll, das war es dann aber auch schon (bei mir). Als erste Amtshandlung wurde das Touchpad von mir im BIOS deaktiviert, da man mit dem "Knubbel" eh besser arbeiten kann und versehentliche Betätigungen des Touchpads durch Handballen einfach nerven (Linuxer können davon ein Lied singen).
Das z60m hat unter (vor?) dem Touchpad 2 Maustasten, für den Trackpoint über (hinter) dem Touchpad sogar 3. Damit muss man sich unter Linux nicht mit Emulate3Button und dem gleichzeitigen Drücken der linken und rechten Maustaste zur Simulation eines Klicks auf die mittlere herumschlagen.
Erwähnenswert ist noch, daß 3 verschiedene Aufsätze, allesamt rot, für den Knubbel mitgeliefert werden. Wer wie ich, den werksseitig installierten Trackpoint-Aufsatz nicht mag, wird sich vielleicht mit einem der 2 anderen anfreunden können.
Display
Das Gehäuse des TFTs ist, vergleicht man es mit Notebooks anderer Hersteller, ein anderes und vorallem größeres Kaliber.
Der Notebook-Deckel besteht aus einer Titan-Schicht und schützt das Display effektiv gegen Einwirkungen von oben im geschlossenen Zustand.
Im geöffneten Zustand kommt die Verwindungssteifheit dem Notebook zu Gute - man kann das Gerät sicher von A nach B tragen, indem man mit einer Hand das Notebook in Höhe des Touchpads fixiert und mit der anderen Hand eine Seite des Displays greift: Man muss keine Angst haben, daß man das Display beschädigt, verbiegt oder etwas an den Scharnieren abbricht, weil man es nicht in der Mitte hält.
Das TFT ist für mein Empfinden ausreichend hell und spiegelt glücklicherweise kein bisschen. Ich habe schon mehrmals diese Toshiba-Notebooks mit Glasscheibe gesehen, die das Licht sehr stark reflektieren und für mich ein Arbeiten unmöglich machen.
Die Auflösung kann sich mit 1680x1050 Pixeln bei 15,4 Zoll Bildschirmdiagonale sehen lassen, Pixelfehler gab es keine.
Thinklight
Wenn Du noch nie ein IBM Notebook in der Hand hattest, wirst Du Dich sicher fragen:
"Hä? Eingebaute Taschenlampe?". Richtig.
Im Display-Deckel sitzt mittig eine LED, die bei Bedarf in einem dezenten Gelb die Tastatur beleuchtet. Seeeehr angenehm, unter anderem auch beim Wardriving ;-).
Die Tastenkombination zum De-/Aktivieren des Thinklights funktioniert dank der IBM ThinkPad Laptop Extras im Linux-Kernel ohne Probleme.
Akku
Für den 6-Zellen-Akku ist eine Laufzeit von 4 Stunden angegeben, was meiner Meinung nach auch recht gut die Realität wiederspiegelt. Ohne das DVD-Laufwerk zu benutzen, mit reduzierter Display-Helligkeit und ohne exzessive CPU- oder Platten-Benutzung kommt man nach meiner Erfahrung auf rund 4 Stunden - je nach Art der Nutzung auch etwas mehr.
Der Laptop verbrät bei mir im Leerlauf (aktiviertes WLAN, hellste Displayeinstellung, Festplatte nicht im Standby, kein externes Display) rund 20 Watt. Das Deaktivieren des WLANs sowie die Reduzierung der Displayhelligkeit auf die niedrigste Stufe sparen je ca. 2W, so daß man am Ende auf etwa 16W Leerlauf-Leistung kommt.
Entgegen Berichten über den 9-Zellen-Akku, der in seiner Verankerung im Notebook etwas Spielraum haben soll und es dadurch etwas wackeln kann, sitzt der 6-Zellen-Akku fest an seinem Platz.
Dank dem Linux-Kernelmodul tp_smapi kann man u.a. Werte der Akkus auslesen (und verändern), die über die normalen Werte aus /proc weit hinausgehen.
So ist es z.B. möglich, den Akku so zu konfigurieren, daß er bei eingestecktem Netzteil nur dann mit der Ladung des Akkus beginnt, wenn die Kapazität unter X% sinkt bzw. der Ladevorgang beim Erreichen von Y% beendet wird.
Wählt man X und Y mit z.B. X=40 und Y=70, verlängert man dadurch die Lebensdauer des Lithium-Ionen-Akkus.
DVD-Brenner/Ultrabay
Der DVD-Brenner befindet sich in einem Erweiterungsschacht an der rechten Seite des Notebooks - von IBM/Lenovo Ultrabay genannt.
Das Laufwerk habe ich bisher nicht ausführlich getestet. Nur soviel: Es brennt DVDs/CDs
und ist, wenn man es im BIOS nicht drosselt, beim Lesen von Medien nicht gerade flüsterleise - dafür stimmt aber die Übertragungsrate.
Geräte im Ultrabay-Schacht lassen sich mit einer mitgelieferten Schraube auf der Unterseite des Notebooks im Gerät fixieren und sind so gegen Gelegenheitsdiebe geschützt.
Anstatt des DVD-Laufwerks beherbert das z60m wahlweise auch einen zweiten Akku oder eine weitere Festplatte.
SD-Card-Lesegerät
Ebenfalls noch nicht getestet, soll mit den Treibern, die seit Kernel 2.6.17-rc1 integriert sind, aber funktionieren.
PCCARD/ExpressCard
Der PCCARD läuft mit yenta_socket, den ExpressCard-Slot habe ich mangels einer entsprechenden Karte nicht testen können - wurde vom Kernel aber erkannt.
Sound
Intel HD-Audio, läuft unter Linux mit dem snd-hda-intel ALSA-Treiber.
Der Soundchip kann leider kein Hardware-Mixing, was man aber mit ALSA eventuell in Software lösen kann.
Beim Abspielen von mp3s vernimmt man ab und zu störende Knackser, bei Video-Wiedergabe mit MPlayer gibt es hingegen keine Probleme. Der hier beschriebene Workaround mit position_fix=2 hat bei mir leider nicht geholfen.
In der Nähe der ESC-Taste befinden sich 3 Extra-Tasten zum Regulieren der Lautstärke, die unabhängig vom Mixer fungieren. Soll heißen, wenn Du stundenlang wie blöde nach der Ursache suchst, warum kein Ton aus den Lautsprechern kommt, obwohl Du in alsamixer alles hochgerissen hast, probier einfach mal diese Tasten.
NIC
Der interne Netzwerk-Port ist ein Broadcom BCM5751M, der neben 10/100 auch 1000MBit/s macht.
Läuft mit dem tg3 Modul ohne Murren, nur die Link-Erkennung funktioniert nicht zuverlässig.
Wurde der Laptop z.B. gerade frisch gebootet, so sagt ethtool immer Link detected: no, auch wenn ein Link besteht. Dadurch kann man die preup-Funktionen von Gentoo leider nicht nutzen :-(, um z.B. vor dem Start des DHCP-Clients zu prüfen, ob überhaupt ein Link auf dem Netzwerkinterface besteht.
WLAN
Im z60m arbeitet ein Intel PRO/Wireless 2915ABG Mini-PCI Adapter, der unter Linux dank des ipw2200 Kernel-Moduls recht problemlos läuft.
Die Antenne ist in den Gehäuse-Deckel integriert und funkte durch 2 Betonwände hindurch auf einer Entfernung von etwa 20-30 Meter ohne Probleme.
Bluetooth
Nicht getestet, da bisher kein Bedarf.
Modem
Nicht getestet, da bisher kein Bedarf.
Grafik
Mein X.Org rennt mit dem "radeon" OpenSource-Treiber, da ich auf 3D am Laptop verzichten kann. Alle anderen müssen sich wohl mit den proprieteren Treibern Namens fglxr von ATI herumschlagen.
Die Schrift auf der Text-Konsole ist bei 80x25 Zeichen entsprechend groß - leider beißen sich der Radeon Framebuffer-Treiber und der Radeon-Treiber von X.Org, so daß ich auf eine höhere Auflösung in der Text-Konsole leider verzichten muß. Es ist zu verschmerzen, da X.Org problemlos und mit 2D-Beschleunigung funktioniert.
Der externe VGA-Anschluß funktioniert ebenfalls. Das Klonen oder das Erweitern des Desktops auf 2 Bildschirme (mit Xinerama) stellt unter Linux kein Problem dar.
Lüfter
Die Geräuschkulisse durch den Lüfter ist ausgesprochen angenehm.
Der Lüfter ist im normalen Betrieb, wenn die CPU anstatt mit 2 GHz nur mit 800 MHz arbeitet, bei Zimmerlautstärke/Radio nicht hörbar. Selbst bei 100% CPU-Auslastung beim Kompilieren von Software-Paketen unter Gentoo springt der Lüfter hörbar nur vereinzelt an.
Mit Notebooks, in denen der CPU-Lüfter permanent lautstark auffällt, ist das Thinkpad nicht zu vergleichen. Uneingeschränkt für die Bibliothek geeignet!
Dockingstation
Ungetestet, da nicht vorhanden.
Netzteil
Das externe Netzteil ist mit 12,4 x 4,7 x 2,9 cm ausgesprochen handlich. Das Kabel (vom Netzteil zum Notebook) wird durch ein am Kabel befestigtes Klettband notfalls im Zaum gehalten - Kabelsalat im Rucksack gibt es hier definitiv nicht.
Woran ich mich allerdings erst gewöhnen musste, war der Umstand, daß das Netzteil extrem heiß wird, wenn gleichzeitig das Notebook und der Akku zwecks Aufladung gespeist werden.
Die Skala meines Zimmer-Thermometers ist bei 50°C zu Ende und die Quecksilbersäule stand am Anschlag, kurz nachdem ich es auf das Netzteil gelegt hatte...
BIOS/ACPI/Funktionstasten
Das BIOS ist ein angepasstes Phoenix-BIOS.
Die IBM-Entwickler haben sich hier viel Mühe gegeben und wirklich jede noch so kleine Option verbaut. Das Konfigurieren kann ungelogen einige Zeit in Anspruch nehmen, möchte man sich wirklich jede der zahlreichen Konfigurationsoption anschauen.
Was ACPI betrifft, kann man wirklich nicht meckern. Suspend2RAM (Standby) sowie Suspend2Disk (Hibernate) funktionieren tadellos.
Selbst mit USB-Geräten hatte ich nach dem Resume keine Probleme - das ist unter Linux leider nicht selbstverständlich, schlampen doch viele Hersteller beim BIOS und machen so die Benutzung von vielen ACPI-Funktionen unmöglich.
Fingerabdruckleser
Das Thinkpad verfügt über ein Sicherheitssystem mit "FingerPrintReader". Wichtig ist hier, daß man seine Fingerabdrücke am besten mit dem beim Kauf (leider) zwangsinstallierten Windows einscannt, da es unter Linux dazu keine Möglichkeit gibt.
Einmal eingescannt, werden die Daten in einem TPM-Chip im Laptop gespeichert und stehen anschließend als Ersatz für das Boot-Passwort zur Verfügung. Ein PAM-Modul für Linux gibt es auch, so daß man selbst den Login unter Linux ohne Passwort absolvieren kann.
Active Protection System
Dank APS kann das Notebook das Betriebssystem über Änderung der horizontalen und vertikalen Lage sowie der Beschleunigung des Gerätes informieren.
Sprich, wenn man beim Gestikulieren und Rumfuchteln mit seinen Händen das Notebook vom Tisch fegt, kann das Betriebssystem nach Erkennen der brenzligen Lage die Festplattenköpfe in Parkposition bringen, um so einen Datenverlust durch Aufschlagen der Köpfe auf die Platter zu verhinden.
Unter Linux existiert mit hdaps ein Kerneltreiber, der die Schnittstelle zum Auslesen des Sensors bereitstellt. Mit hdapsd, einem Userspace-Daemon, kann man dann entsprechend auf Veränderungen reagieren und bestimmte Aktionen auslösen, wie z.B. das beschriebene Parken der Festplattenköpfe.
Rescue-System
Die 100 GigaByte große SATA-Platte kommt von Haus aus mit einer versteckten Partition, die neben einigen Diagnose-Tools auch ein Rescue-System beherbergt, um die Festplatte in den Auslieferungszustand zurückzuversetzen.
Verzichtet man dankend auf das Betriebssystem aus Redmond und möchte die versteckte Partition loswerden, so sollte man vorher unter Windows die Wiederherstellungs-DVDs erstellen. Anschließend kann man die Sichtbarkeit der Partition für das Betriebssystem im BIOS aktivieren und unter Linux die Platte neu partitionieren.
Fazit
Das Arbeiten mit dem Thinkpad z60m macht wirklich Spaß, nicht zuletzt wegen der vielen kleinen Details, mit denen ein Thinkpad aufwartet.
Für Linuxer ist das Notebook schon allein wegen seines guten ACPI-BIOS empfehlenswert, möchte man auf die von Windows gewöhnten Features wie Standby oder Hibernate nicht verzichten.
Mit seiner Masse und der beachtlichen Größe ist das Gerät sicher nicht für jeden allererste Wahl, wer allerdings viel mit der Tastatur arbeiten muss, wird die großen Tasten des Thinkpads zu schätzen wissen.
Ich hoffe, MainMind ist mit diesem Beitrag zufriedengestellt. ![]()
{ 9 } Comments
ich vermisse einen aps test
Schon gesehen wofür das APS sonst noch taugt?
Warum mußt du denn gleich so übertreiben?
Das mit dem Trackpoint ist doch selbstverständlich, IBM muß knubbeln ....
wer mag schon Frauen ohne Brustwarzen.
Pfui bin ich von einfacher Struktur.
Danke für den Bericht .... ich glaube ich will das auch *lechz
Gruß M.M.
@martin: Ja, hatte mir das Video vor ein paar Wochen schon angeschaut. Sieht lustig aus
Preis ? ;D
Brutto 1278,-
http://www2.computeruniverse.net/products/90195956.asp
Klingt ja gar nicht so teuer...
Ist es meiner Meinung nach auch nicht. Schau Dir doch mal die Notebooks an, die Du bei Lidl oder Aldi zu kaufen bekommst - die kosten meist 999,- oder mehr und bieten Dir nicht wirklich mehr. Wenn Du dann allerdings mal Probleme mit hast, dann merkst Du erst, wie wichtig Service ist.
Wenn Dir in 2 Jahren der Akku von deinem Medion-Laptop verreckt, wirst Du wahrscheinlich keinen Ersatz mehr bekommen oder eine ganze Stange Geld auf den Tisch legen müssen.
Das gleiche bei Ersatzteilen. Dann doch lieber 200,- bei der Anschaffung mehr ausgeben und Qualität kaufen.
Gruß,
Marcel.
hi,
bin mal wieder vorbeigekommen, als ich das Web nach z60m abgegrast habe. Da ich mein thinkpad neuinstalliert habe, schrieb ich parallel eine Anleitung, hier zu finden ist. Da fehlen aber noch eine ganze Menge Dinge. Wenn du da noch was hast, schreib mir einfach, oder füge es gleich ins Wiki ein
Das wäre echt nett.
cu denny